Auf einer Bahnfahrt von Berlin nach Danzig in Polen fällt mir am Wagenschild des Zugs die Ortschaft Bydgoszcz auf. «Bydgoszcz», wie soll ein Mensch so etwas aussprechen können? – Ich zähle sieben Konsonanten auf zwei Vokale! Was für eine verrückte Sprache.
So beginne ich, diese wunderbare kleine Sensation in einen Text zu fassen, dabei springt mir aber das deutsche Wort «Ortschaft» im ersten Satz ins Auge. RTSCH: 5 Konsonanten in einem Rutsch! – Und insgesamt das gleiche Verhältnis, 7:2. Nicht zu fassen.
Ein deutschgeschultes Auge nimmt die Konsonanten-Anhäufung RTSCH gar nicht als solche wahr, sondern segmentiert das Wort: Ort-schaft. So sieht es dann ganz harmlos aus, was man von SZCZ nicht behaupten kann. Ich recherchiere ein bisschen zu langen Konsonantenfolgen und finde in einem Buch mit dem Titel «Entzifferte Geheimnisse» des akademisch mehrfach dekorierten Prof. em. der Mathematik Friedrich L. Bauer ein Beispiel aus dem Walisischen – ebenfalls eine Ortschaft: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Der Name ist natürlich ein Marketing-Gag und findet im Alltag keine Verwendung, nach Google nennen Locals die Station entweder bei ihrem Namensanfang oder -ende. Dass Konsonantenfolgen wie RPWLLGW und BWLLLL im Walisischen aber normal zu sein scheinen, finde ich doch bemerkenswert.
Zurück auf der polnischen Landkarte rettet der Ort Szczuczarz meine These vor dem Totalabsturz: Verhältnis 8:2. Da sind also doch unsagbar viele Konsonanten in diesem Polen. Ich sehe aber auch ein, dass es wohl eher auf die Kombination ankommt als auf die schiere Zahl.

